Biotechnologie – Füllhorn oder Pandorabüchse?

Wir essen alle Brot, verwenden Waschmittel, benötigen Medikamente? Damit nutzen wir fast täglich Produkte, die mit biotechnologischen Verfahren hergestellt wurden.

Die Biotechnologie ist eine typische Querschnittstechnologie und hat sich in den letzten Jahren zu einer der dynamischsten Wissenschaftszweige und innovativsten Wirtschaftsbranchen entwickelt. Biotechnologische Forschung ermöglicht uns, vom Leben zu lernen und die gewonnenen Erkenntnisse erfolgreich in Produkte, Verfahren und Dienstleistungen umzusetzen. Gleichzeitig werden aber die zum Teil kontroversen Diskussionen um mögliche Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt, den ökonomischen Nutzen, Nachhaltigkeit sowie Verantwortung der Politik immer heftiger.

Die Beiträge des Wissenschaftsdialogs werden auf diese Fragestellungen eingehen und Beispiele aus den drei wichtigsten Anwendungsbereichen, der „roten“ Biotechnologie – Entwicklung neuer Medikamente und Therapien, der „grünen“ Biotechnologie – pflanzliche und landwirtschaftliche Anwendungen sowie der „weißen“ Biotechnologie – Herstellung chemischer Grundstoffe und Endprodukte, zeigen. Außerdem sollen das Verhalten der Konsumenten und die Vorbehalte gegenüber der Gentechnologie näher untersucht werden.

15. Oktober 2013 | 18.00 Uhr | Gebäude A, Karl-Völker-Saal

Bioökonomie – wie zukunftsfähig sind wir?
Neue Konzepte zur Nutzung natürlicher Ressourcen

Dr. Christian Patermann, langjähriger Direktor der Generaldirektion Forschung bei der Europäischen Kommission


Forschung und Wissenschaft liefern in atemberaubender Geschwindigkeit neues Wissen um Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen. Das neue Verständnis um die Funktionen und Arbeitsweisen dieser Multitalente hat dazu geführt, sich verstärkt mit einer Wirtschaftsform zu beschäftigen, die als Bioökonomie bezeichnet wird. Die Bioökonomie umfasst alle wirtschaftlichen Sektoren und deren Dienstleistungen, die biologische Ressourcen produzieren, be- oder verarbeiten oder auch nur nutzen, von der Land und Forstwirtschaft, der Ernährungswirtschaft bis hin zur Feinchemie, Kosmetik, Bioenergie und Bauwirtschaft. In Deutschland, wie auch weltweit werden Forschungsprogramme zur Förderung der Bioökomomie aufgelegt. Ziel ist einen Beitrag zur Nachhaltigkeit, Ressourceneff¡zienz und dem Klima- und Umweltschutz zu leisten. Dieses Momentum gilt es auszubauen und einer breiteren ֑ffentlichkeit zugängig zu machen.

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6. November 2013 | 18.00 Uhr | Gebäude C, Aula

Rote Biotechnologie: Krebsstammzellen – ihre Bedeutung für Prognose und therapie am Beispiel Brustkrebs

Dr. Martin Sprick, DKFZ Heidelberg Stem Cells and Cancer


Stammzellen sind wichtig für die normale Funktion unseres Körpers, indem sie für ständigen Nachschub an gesunden Zellen sorgen. Um diese Rolle zu erfüllen, besitzen sie Eigenschaften wie die Fähigkeit zur unbegrenzten Teilung und Selbsterneuerung.

Krebsstammzellen sind eine kleine Untergruppe von Zellen in Tumoren, die Merkmale von normalen Stammzellen besitzen. Neuere Erkentnisse aus der Krebsforschung haben gezeigt, dass Krebsstammzellen verantwortlich für Wachstum und Metastasierung vieler Krebsarten sind. Sie stehen daher im Fokus der Forschung für eine Verbesserung von Prognose und Therapie von Krebserkrankungen.

Der Vortrag gibt einen einführenden Überblick über unser derzeitiges Wissen zum Thema Krebsstammzellen. Anhand des Beispiels Brustkrebs werden aktuelle Forschungsergebnisse sowie zukünftige Herausforderungen
für die Krebsforschung diskutiert.

11. Dezember 2013 | 18.00 Uhr | Gebäude C, Aula

Grüne Biotechnologie: Gentechnik in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion – wie nachhaltig ist das?

Dr. Joachim Wünn, BASF SE


Die globale Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen: Die Weltbevölkerung nimmt zu, während der Ausweitung der globalen Agrarflächen Grenzen gesetzt sind. Der Handlungsdruck steigt durch zunehmende Lebensstandards in Schwellenländern, erhöhten Fleischkonsum, die zunehmende Nutzung nachwachsender Rohsto‘ffe und mangelnde Versorgung mit Frischwasser in vielen Wachstumsregionen. Schätzungen zufolge muss die globale landwirtschaftliche Produktion in den nächsten 40 Jahren verdoppelt werden, um Schritt zu halten. Durch konventionelle Züchtungs- und Agrarmethoden allein kann dieser zusätzliche Bedarf nicht gedeckt werden. Die Grüne Gentechnik bietet, neben anderen Technologien und Agrarmethoden, großes Potenzial, um zu einer nachhaltigen Intensivierung der Landwirtschaft beizutragen. Im Vortrag werden Beispiele der Biotechnologie aus der Praxis und der aktuellen Forschung erläutert und unter dem Gesichtspunkt ihrer Nachhaltigkeit diskutiert.

8. Januar 2014 | 18.00 Uhr | Gebäude C, Aula

Wie groß ist die Angst vor der Gentech wirklich? Erkenntnisse aus einer Studie zum Verhalten von Konsumenten in der Schweiz

Dr. Philipp Aerni, Direktor des Centers for Corporate Responsibility and Sustainability an der Universität Zürich


Zahlreiche Umfragen haben gezeigt, dass die ö‘ffentliche Haltung gegenüber Anwendungen der grünen Gentechnik in der Schweiz vorwiegend negativ ist, obwohl die konkrete Erfahrung mit gentechnisch veränderten (GV) Nahrungsmitteln fehlt, da die bisher zugelassenen GV-Produkte nirgendwo angeboten werden. Es ist daher nicht klar, inwieweit sich die negative Haltung tatsächlich im konkreten Kaufverhalten widerspiegelt. In einer Konsumentenstudie haben wir die Kohärenz zwischen geäußerter Einstellung und tatsächlichem Kaufverhalten gemessen, indem wir drei Typen von Maisbroten zur Auswahl stellten. Eines aus biologischem, eines aus konventionellem und eines aus gentechnisch verändertem Mais. Die Resultate zeigen, dass Konsumenten durchaus bereit sind GV-Maisbrot zu kaufen Die Vorbehalte gegenüber der Grünen Gentechnik bei Herrn und Frau Schweizer scheinen schwächer zu sein, als ursprünglich angenommen.

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29. Januar 2014 | 18.00 Uhr | Gebäude C, Aula

Weiße Biotechnologie: CO2 – vom Treibhausgas zum Wertstoff

Dr. Jürgen Eck, Mitglied im Vorstand der B.R.A.I.N. AG


Ein Großteil der Bevölkerung kennt Kohlendioxid (CO2) bisher nur als klimaschädliches Treibhausgas. Dabei hat CO2 auch das Potenzial eines wertvollen Rohstoffs, der für vielfältige Anwendungen genutzt werden könnte.

Kohlenstoffdioxid, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl und Kohle durch Verkehr, Stromerzeugung, Heizung und Industrie erzeugt wird, hat einen maßgeblichen Anteil an dem durch den Menschen verursachten Treibhause‘ ekt auf der Erde. Neueste Forschungen zeigen, dass das CO2 zu einem wichtigen Rohsto‘ff zum Aufbau komplexer energiereicher organischer Verbindungen werden kann. Hierbei gewinnen vor allem biotechnologische und chemische Prozesse zunehmend an Beachtung. Mit Hilfe der industriellen Biotechnologie und dem Einsatz von Mikroorganismen soll CO2 sinnvoll für die Wertschöpfung genutzt werden.

Die Termine und Vortragsthemen


15.10.2013

Bioökonomie – wie zukunftsfähig sind wir? Neue Konzepte zur Nutzung natürlicher Ressourcen

06.11.2013
Rote Biotechnologie: Krebsstammzellen – ihre Bedeutung für Prognose und therapie am Beispiel Brustkrebs

11.12.2013
Grüne Biotechnologie: Gentechnik in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion – wie nachhaltig ist das?

08.01.2014
Wie groß ist die Angst vor der Gentech wirklich? Erkenntnisse aus einer Studie zum Verhalten von Konsumenten in der Schweiz

29.01.2014
Weiße Biotechnologie: CO2 – vom Treibhausgas zum Wertstoff



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