Schwanger im Studium?

Die Nachricht einer Schwangerschaft stellt meist das ganze Leben auf dem Kopf und wirft viele Fragen auf. Wie geht es nun weiter mit meinem Studium, muss ich es unterbrechen? Und muss ich meine Schwangerschaft der Hochschule melden – und wenn ja, wann und wem genau? Die nachstehenden Informationen fassen die für Sie nun wichtigen Fakten kurz zusammen.

Sachstand, Ziel und Anwendungsbereich des neuen Mutterschutzgesetzes (MuSchG)

2018 ist das „Gesetz zum Schutz von Müttern bei der Arbeit, in der Ausbildung und im Studium (Mutterschutzgesetz – MuSchG)“ verabschiedet worden. Neu ist, dass nun auch Schülerinnen, Studentinnen und Praktikantinnen in den Anwendungsbereich des Gesetzes einbezogen werden. Nach dem alten Gesetz mussten schwangere und stillende Studentinnen noch separat beantragen, dass die Mutterschutzregelungen für sie zur Anwendung kommen - nach dem neuen Gesetz von 2018 gelten diese „automatisch“ auch für sie.

Ziel des aktualisierten MuSchG ist die verantwortungsvolle Abwägung zwischen dem Gesundheitsschutz für die schwangere/ stillende Frau und ihr (ungeborenes) Kind einerseits und der selbstbestimmten Entscheidung der Frau über ihre Ausbildung/ Studium andererseits.

Warum und wem sollte ich meine Schwangerschaft und Geburt/ Stillzeit der HS melden?

Damit die Hochschule Mannheim die notwendigen Schritte für Ihren Mutterschutz unternehmen kann, ist sie darauf angewiesen, dass Sie über Ihre Schwangerschaft bzw. die Geburt und nachfolgende Stillzeit informieren. Selbstverständlich unterliegt diese Information der Verschwiegenheitspflicht. Sie wird nur im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen weitergegeben.

Zuständig für die Entgegennahme Ihrer Meldung einer Schwangerschaft oder Stillzeit ist die Familienfreundliche Hochschule (FFH). Bitte teilen Sie der FFH Ihre Schwangerschaft und den voraussichtlichen Tag der Entbindung möglichst frühzeitig mit, gerne unter Vorlage des Mutterpasses oder einer ärztlichen Bestätigung. Diese Mitteilung kann selbstverständlich auch digital erfolgen.

Verpflichtet zu einer solchen Mitteilung sind Sie nicht. Auch über den Zeitpunkt der Mitteilung können Sie selbst entscheiden. Je früher Sie allerdings die Hochschule bzw. die FFH über Ihre Schwangerschaft oder die Tatsache, dass Sie stillen, informieren, desto eher kann ein wirkungsvoller Mutterschutz sichergestellt werden. Denn gerade in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft können Gefährdungen für das ungeborene Kind bestehen. Außerdem können so Nachteile aufgrund der Schwangerschaft, der Entbindung oder der Stillzeit vermieden oder ausgeglichen werden und eine Chancengleichheit hergestellt werden.

Was passiert nach der Meldung der Schwangerschaft/ Geburt/ Stillzeit?

Aufgrund der Meldung werden weitere verantwortliche Ansprechpartner*innen informiert und im Sinne der Studentin hinzugezogen.

  1. Um ihrer Fürsorgepflicht nachzukommen, erstellt die HS MA eine sogenannte individuelle Gefährdungsbeurteilung für die Zeit während Ihrer Schwangerschaft/ Stillzeit. Dies nimmt die für Sie zuständige Fakultät vor.
  2. Gegebenenfalls wird auch eine Anpassung Ihrer Studienbedingungen notwendig. Dies lässt sich in Rücksprache mit der jeweiligen Studiengangsleitung/ den jeweiligen Studiendekan*innen sicherstellen.

Die HS MA hat darüber hinaus die Pflicht, die für sie zuständige Aufsichtsbehörde (hier: Regierungspräsidium Stuttgart) zu benachrichtigen, dass eine Studentin ihre Schwangerschaft/ Stillzeit mitgeteilt hat. Hierzu werden Kopien der relevanten Dokumente von der FFH an das Regierungspräsidium nach Stuttgart versendet.

Die Originalunterlagen gehen im Anschluss an das Prüfungsamt. Dieses verwahrt die Dokumente getrennt von Ihrer Prüfungsakte zwei Jahre lang (gesetzliche Aufhebungsfrist).

Welche Vorteile bietet das MuSchG für mich als schwangere/ stillende Studentin?

1. Grundsätzlich gilt ein Nacht- und Wochenendverbot für schwangere und stillende Studentinnen. Die Hochschule MA darf also ausnahmslos schwangere und stillende Studentinnen zwischen 22 – 6 Uhr (Nachtarbeit) bzw. von 20 – 22 Uhr (Abendveranstaltungen) und an Sonn- und Feiertagen nicht tätig werden lassen - außer:

  • Die Studentin hat sich ausdrücklich dazu bereit erklärt.
  • Die Teilnahme ist zu Ausbildungszwecken zu dieser Zeit erforderlich.
  • Eine unverantwortbare Gefährdung für die schwangere Studentin oder ihr Kind durch die Alleinarbeit ist ausgeschlossen.
  • Bei Sonn- und Feiertagsarbeit: Der Studentin wird in jeder Woche im Anschluss an eine ununterbrochene Nachtruhezeit von mindestens 11 Stunden ein Ersatzruhetag gewährt.

Schwangere oder stillende Studentinnen sind während der gesetzlichen Schutzfrist von der Teilnahme an Lehrveranstaltungen und Prüfungen freigestellt. Sie können jedoch an Prüfungen und Veranstaltungen teilnehmen, wenn sie dies gegenüber der HS MA ausdrücklich erklären (sog. Verzichtserklärung). Eine entsprechende Erklärung kann jedoch jederzeit für die Zukunft widerrufen werden.

2. Schwangere und stillende Studentinnen haben einen Anspruch auf Nachteilsausgleich – denkbar sind hier zumeist Ersatzleistungen bei Laborveranstaltungen, Praktika oder Exkursionen oder alternative Prüfungsleistungen wie Hausarbeiten statt Klausur oder Einzel- statt Gruppenleistung oder zeitnahe Nachschreibetermine. Ihr Anspruch auf Nachteilsausgleich greift also bei Prüfungen oder Praktika und Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht, bei denen Sie durch Schwangerschaft oder Stillzeit darin eingeschränkt sind, teilzunehmen oder ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit zu zeigen.

3. Ein weiterer Vorteil: Während der Schwangerschaft und in der Stillzeit haben Studentinnen das Recht, sich für Untersuchungen, die im Zusammenhang mit der Schwangerschaft stehen, und zum Stillen des Kindes freistellen zu lassen.

 

Formulare

Infoblatt für Studierende

Vordruck: Meldung einer Schwangerschaft / Stillzeit

Vordruck: Erklärung hinsichtlich der Teilnahme an Abend-, Wochenend-/ Feiertagsveranstaltungen

 

Gibt es eine Alternative zum Mutterschutz für mich?

Neben den Möglichkeitne, weiterhin in Voll- oder Teilzeit zu studieren, fällt für manche schwangere Studentinnen die Entscheidung vielleicht auch auf die Beantragung eines Urlaubssemesters. Wichtiger Hinweis: Sie können dann trotz Beurlaubung auch an Prüfungen und Vorlesungen teilnehmen etc. Allerdings sollten die Bafög-Richtlinien nicht außer Acht gelassen werden: Im Urlaubssemester steht Studierenden kein Bafög zu, dafür möglicherweise ALG II.

Noch ein wichtiger Hinweis: Während einer Schwangerschaft können Sie sich grundsätzlich nur beurlauben lassen, wenn der errechnete Geburtstermin in das jeweilige Semester fällt. Bitte beantragen Sie die Beurlaubung dann innerhalb der Rückmeldefrist.

Wer sollte zwingend in den Mutterschutz gehen?

Mit der Ausrichtung der Hochschule MA auf MINT-Studiengänge und auf das Studium der Sozialen Arbeit ist nicht auszuschließen, dass gesundheitliche Gefährdungen für eine schwangere Studentin oder ihr ungeborenes Kind bestehen könnten. Besonders bei ingenieurwissenschaftlichen Praktika, Werkstatt- oder Labortätigkeiten, Exkursionen, bei Kontakten mit Kindern und Jugendlichen (Lärmbelastung, Infektionsgefahren, ...) könnte das der Fall sein. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich frühzeitig melden, damit bereits in der Frühschwangerschaft Schutzmaßnahmen ergriffen werden können.

Weiterführende Informationen zum Mutterschutz

Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung während des Studiums stellen zweifellos eine ganz besondere Lebenslage dar. Hilfreiche Tipps gibt die umfassende Broschüre des Studierendenwerks Mannheim:

file:///C:/Users/Kickum/AppData/Local/Temp/Leitfaden%20f%C3%BCr%20Studierende%20mit%20Kind.pdf

Weitere Informationen zum Thema Mutterschutz können Sie dem Leitfaden des zuständigen Bundesministeriums entnehmen (Broschüre zum Download oder zur Print-Bestellung):

https://www.bmfsfj.de/blob/94398/3b87a5363865637dd3bf2dd6e8ec87e0/mutterschutzgesetz-data.pdf

Detaillierte gesetzliche Regelungen des MuSchG finden Sie im nachfolgenden Link:

http://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl117s1228.pdf

Eine Checkliste für schwangere und junge Mütter der FH Potsdam kann bei Formalien und Behördengängen helfen:

https://www.fh-potsdam.de/fileadmin/user_dateien/1_informieren/E_Organisation/c_Campusprojekte/Familienteam/Schwangerschaft_Checkliste_fhp.pdf

Angebote des Familienservice benefit@work

Seit 2013 und auch in 2020/ 2021 steht Studierenden wie Mitarbeitenden der HS Mannheim das Angebot des Familienservice benefit@work zur Verfügung. Ziel der Kooperation ist es, für Sie die gute Vereinbarkeit zwischen Familienleben und Beruf bzw. Studium sicherstellen zu können.

Bestimmte Lebensübergänge können diese Balance ins Wanken bringen, bspw. in der Phase der Elternwerdung oder der Phase des Älterwerdens der eigenen Eltern. All dies bringt einen erhöhten Fürsorgeaufwand für die jungen und/ oder älteren Familienmitglieder mit sich, den es nun ins Alltagsleben zu integrieren gilt - neben dem normalen "work load" im Job, Studium und Haushalt.

benefit@work stellt Ihnen als Hochschulangehörige seine Fachexpertise und viele Hilfsangebote für die folgenden Lebenssituationen zur Verfügung - selbstverständlich kostenfrei, bspw. in der Phase der Familiengründung mit Infos zu Kinderbetreuung, Babysitter, Ferienbetreuung und vieles mehr. Eine Übersicht über die umfangreichen Angebote des Dienstleisters erhalten Sie auf der folgenden Seite: www.benefit-at-work.de

Wenn Sie Kontakt zu benefit@work aufnehmen möchten, melden Sie sich gerne bei der FFH: Wir stellen Ihnen die Zugangsdaten für die kostenfreie Nutzung des Portals und der Beratungsangebote zur Verfügung.

 

KONTAKT

Astrid Kickum

Mathias Stimpfle

Sprechzeiten nach Vereinbarung

familie@hs-mannheim.de

+49 621 292-6595