Filtersystem für Notfall-Wasserkoffer an Hochschule übergeben

Wissenschaftler des Instituts für Biologische Verfahrenstechnik an der Hochschule Mannheim unter Leitung von Prof. Dr. Peter M. Kunz entwickeln zusammen mit der International Water Aid Organization e.V. (IWAO) einen mobilen Koffer, der vom Flugzeug aus abgeworfen werden kann und alles enthalten soll, um ohne Vorkenntnisse aus hygienisch bedenklichem Flusswasser ein hygienisch unbedenkliches Wasser aufzubereiten. Der Prototyp eines Vorfiltersystems wurde nun von Mitarbeitern des Ludwigshafener Siebtechnikspezialisten J. Engelsmann AG zur Erprobung übergeben.

Wasserkatastrophen, wie Tsunamis nach Erdbeben, Überschwemmungen nach Starkregenfällen, Hurrikans, aber auch generell Naturkatastrophen bringen es meistens mit sich, dass Strom- und Wasserleitungen, Straßen und Brücken zerstört oder Brunnen verschüttet bzw. mit Fäkalien-belastetem Wasser verunreinigt werden. In entlegene Gebiete können Hilfsorganisationen keine mobilen Trinkwasseraufbereitungs- und die dazu notwendige Stromversorgungsanlagen auf LKWs bringen. Um nicht zu verdursten, muss die betroffene Bevölkerung in ihrer Not das oberflächlich abfließende Wasser – oftmals mit Fäkalien und Erdboden verunreinigt – trinken. Sie infizieren sich häufig dabei mit gefährlichen Durchfall-Erregern.

Um Menschen weltweit unmittelbar nach Katastrophen zu hygienisch einwandfreiem, trinkbarem Wasser zu verhelfen, hat die IWAO die Idee eines Notfall-Wasserkoffers geboren. Mit diesem kann man ohne Vor- und Lesekenntnisse für 20 Menschen über 3 Tage 200 Liter trinkbares Wasser aus hochbelastetem Flusswasser aufbereiten.

Das nun entwickelte, modular aufgebaute dreistufige Filtersystem ermöglicht es den Anwendern, das Filtersystem ohne großen Aufwand zu reinigen und von Fremdkörpern wie Blättern zu befreien. In der ersten Filterstufe fließt das verunreinigte Wasser durch einen Filterkorb, der zunächst, ähnlich wie bei einer Salatschleuder, die groben Feststoffe aus dem Wasser abtrennt. Das vom gröbsten Schmutz befreite Wasser fließt dann von oben in die zweite Siebstufe, wo es durch eine Aktivkohle-Schüttung geleitet und weiter filtriert wird. In der dritten und letzten Stufe fließt das Wasser nach Passieren der Aktivkohleschicht durch einen weiteren Siebkorb, der im Vergleich zum Sieb der ersten Stufe mit einem wesentlich feineren Siebgewebe ausgestattet ist. So können im letzten Verfahrensschritt auch die noch im Wasser befindlichen kleinsten Feststoffpartikel abgetrennt werden.

Das Forscherteam der Hochschule wird nun in umfangreichen Tests das Vorfiltersystem optimieren, damit der Notfall-Wasserkoffer bis zum März 2020 fertiggestellt werden kann.


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