Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg erhalten Promotionsrecht

Promotionsverband wird künftig Doktorgrad verleihen können

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer übergibt Prof. Dr. Volker Reuter, Vorsitzendem der Rektorenkonferenz der HAW und des neu gegründeten Promotionsverbands, die gerade unterzeichnete Rechtsverordnung zur Verleihung des Promotionsrechts. Foto: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Die Absolventinnen und Absolventen der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Baden-Württemberg haben einen neuen Weg zur Promotion: Ein gemeinsamer Promotionsverband wird künftig den Doktorgrad verleihen können. Der Wissenschaftsausschuss des Landtags hat am Mittwoch (21. September) sein Einvernehmen mit einer entsprechenden Verordnung erteilt. Noch im September soll das neue Promotionsrecht im Gesetzblatt verkündet werden. 

Baden-Württemberg war 2014 das erste Land, das eine Klausel im Hochschul­gesetz verankert hat, die es möglich macht, Zusammenschlüssen von HAW das Promotionsrecht zu geben. Nachdem die HAW in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren auch auf dem Gebiet der Forschung Spitzenleistungen erbracht haben, hat die Wissenschaftsministerin entschieden, von dieser Ermächtigung Gebrauch zu machen.

Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst zeigt sich darüber erfreut: „Ich freue mich sehr, dass mit dem Einvernehmen des Wissenschaftsausschusses zur Rechtsverordnung ein neuer Weg für die wissenschaftliche Weiterqualifikation offen steht. Viele junge Menschen werden davon profitieren. Die beteiligten Hochschulen werden in ihrer wissenschaftlichen Arbeit weiter gestärkt.“

Der Prorektor für Forschung, Technologietransfer und Internationalisierung an der Hochschule Mannheim, Prof. Dr. rer. nat. Mathias Hafner, begrüßt die Entscheidung ausdrücklich: "Es ist ein konsequenter Schritt und ein wichtiger neuer Baustein, der die bestehenden kooperativen Promotionen mit Universitäten sinnvoll ergänzt. Das Promotionsrecht folgt aber keinem Selbstzweck; viele HAW haben ein eigenständiges kohärentes Forschungsprofil entwickelt. Als transferstarke Einrichtung tragen wir dazu bei, die anstehenden Transformationen in Wirtschaft und Gesellschaft  zu bewältigen. Im Forschungsprozess denken wir die Überführung von Erkenntnissen in Innovationen von Anfang an mit. Zudem trägt diese Entscheidung zur Verbesserung der Chancengleichheit und Durchlässigkeit bei, da 60% unserer Studierenden aus einem nicht-akademischen familiären Umfeld stammen.“

Promotionszentrum

Laut Verordnung geht das Promotionsrecht an einen Hochschulverband, dem alle staatlichen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und die drei Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft in Baden-Württemberg angehören. Nicht die einzelne Hochschule, sondern der Promotionsverband wird künftig die Doktorgrade an besonders qualifizierte Absolventinnen und Absolventen der HAW verleihen. Für besonders forschungsstarke und forschungsaktive Professorinnen und Professoren wird ein Promotionszentrum eingerichtet. Dies ermöglicht einheitliche Prozesse und Qualitätsstandards und den wissenschaftlichen Austausch über die Hochschulgrenzen hinweg.

Qualitätsgesichert

Für die Promotion im HAW-Verband gelten die gleichen Qualitätsanforderungen wie für die Promotion an einer Universität. So müssen auch im Promotions­zentrum schriftliche Betreuungsvereinbarungen abgeschlossen werden und die Annahmeanträge einem Kollegium, dem Promotionsausschuss, zur Entschei­dung vorgelegt werden. Kern der Qualitätssicherung ist die zeitlich befristete Aufnahme der anhand objektiver Kriterien nachgewiesen forschungsstärksten Professorinnnen und Professoren in das Promotionszentrum. Beim Start des Zentrums werden es 223 Gründungsmitglieder sein, deren Anträge individuell geprüft und begutachtet wurden. Ein wissenschaftlicher Beirat wird außerdem die Promotionsver­fahren begleiten und darauf achten, dass die Evaluierung, auf deren Grundlage im Jahr 2029 über die Verlängerung des Promotionsrechts entschieden wird, die notwendigen Qualitätsstandards aufweist.

Quelle: Pressemitteilung des Wissenschaftsministeriums vom 21.09.2022


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