Start-up Sapientec der TH Mannheim gewinnt landesweiten Gründungswettbewerb

Beim landesweiten Förderprogramm Academic Seed Accelerator Program (ASAP) der Innovationsplattform NXTGN, das hochschulnahe Gründungsteams aus Baden-Württemberg bei der Entwicklung und Validierung ihrer Geschäftsideen unterstützt, überzeugte Sapientec am vergangenen Mittwoch, 25.02.2026 und gewann den Pitch als „Overall Gewinner“. Das Team setzte sich dabei gegen 19 Finalisten durch. 65 Bewerbungen aus ganz Baden-Württemberg gingen zuvor beim Veranstalter ein. Die Jury überzeugte insbesondere die Kombination aus medizinischem Bedarf, technologischer Innovation und skalierbarem Geschäftsmodell. Im Zentrum der Gründung steht ein KI-gestütztes Assistenzsystem, das den Strahlenschutz für medizinisches Personal im Operationssaal verbessern soll.

Start-up Sapientec

Patrick Schülein, Niklas Rettig, Mareike Matz-Kellner, Simon Thimm (v.l.n.r.) (Foto: Katja Bauroth)

Strahlenbelastung im OP sichtbar machen

Healthcare Professionals sind bei bildgestützten Eingriffen täglich ionisierender Strahlung ausgesetzt. Mit dem System AI.Dos entwickelt Sapientec eine Lösung, die Streustrahlung im Interventionsraum visualisiert, die organspezifische Strahlenbelastung des medizinischen Personals misst und die Dokumentation automatisiert auswertet. Ziel ist ein besserer Arbeitsschutz bei gleichzeitig geringerem administrativem Aufwand im klinischen Alltag. Hardware und KI-basierte Software greifen dabei ineinander, um Strahlenexposition erstmals datenbasiert nachvollziehbar zu machen.

Zum Sapientec-Team gehören Patrick Schülein (CTO), Doktorand Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg und Absolvent des Masterstudiengangs Informationstechnik an der TH Mannheim, Niklas Rettig (AI Simulation), Masterabsolvent des Studiengangs Informationstechnik der TH Mannheim, Mareike Matz-Kellner (CEO), Absolventin des Bachelorstudiengangs Medienmanagement der TH Würzburg, Simon Thimm (AI Integration), Absolvent des Masterstudiengangs Informationstechnik der TH Mannheim. Alle vier sind aktuell Mitarbeiter*Innen am Institute for Applied Artificial Intelligence and Robotics der TH Mannheim.

Neben einem Preisgeld von 1000 Euro ist mit dem Sieg ein Zugang zu erweiterten Netzwerken sowie ein Speedmentoring der Wissensfabrik verbunden.

CEO Mareike Matz-Kellner freut sich über diesen Erfolg: „Für uns ist dieser Preis vor allem eine Bestätigung der bisherigen Arbeit und Ansporn für die nächsten Schritte. Strahlenschutz im klinischen Alltag ist ein komplexes Thema mit großem Innovationspotenzial. Gemeinsam mit unseren klinischen Partnern möchten wir dazu beitragen, bestehende Schutzkonzepte weiterzuentwickeln und noch effektiver zu gestalten.“

Entwicklung aus der Forschung heraus

Die Technologie entstand am Institute for Applied Artificial Intelligence & Robotics (A²IR) der Technischen Hochschule Mannheim unter Leitung von Prof. Dr. Marcus Vetter. Die Entwicklung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg im Forschungscampus M²OLIE, insbesondere mit Prof. Dr. Schönberg und Prof. Dr. Diehl. Kliniken und medizinisches Fachpersonal begleiten das Projekt kontinuierlich mit praxisnahem Feedback. 

Nächste Schritte: klinische Validierung und Marktreife

Bis zur Markteinführung sind im regulierten Medizinmarkt noch zentrale Schritte notwendig. Aktuell bereitet sich das Team auf einen entscheidenden Pitch für den EXIST-Forschungstransfer Phase I in Berlin vor. Die Förderung soll die Marktreifung des regulierten Medizinprodukts ermöglichen und hohe Qualitätsstandards absichern. Parallel arbeitet Sapientec an der klinischen Validierung und der Vorbereitung der MDR-Zertifizierung nach der Medizinprodukteverordnung. Der nächste Meilenstein im Laufe des Jahres ist ein Prototyp an der Universitätsmedizin Mannheim, der erstmals direkt im klinischen Umfeld getestet wird.

Mittelfristig plant das Start-up den Rollout eines kombinierten Hardware- und SaaS-Modells. Langfristig soll AI.Dos zu einer Plattform für aktive Strahlenschutzsteuerung weiterentwickelt werden – mit Anwendungsmöglichkeiten auch außerhalb der Medizin.

Unterstützung der TH Mannheim bei der Gründung

Das Team erhält umfassende Unterstützung durch die Hochschule. Sie stellt Arbeitsräume, IT-Infrastruktur sowie Gründungsberatung und Pitchtrainings über das MARS-Gründungszentrum zur Verfügung. Auch bei der Bewerbung für den EXIST-Forschungstransfer erhielt Sapientec eine enge Begleitung. 

„Wir gratulieren dem Team zu diesem großen Erfolg“, sagt Prof. Dr. Mathias Hafner, Prorektor für Forschung, Technologietransfer und Internationalisierung. „Er zeigt, wie eng Forschung, Praxis und Gründungsförderung an der TH Mannheim verzahnt sind und wie daraus exzellente technische Innovationen entstehen, die direkt in die Anwendung gelangen.“


« zurück