Wie kann Unterstützung gelingen, wenn Menschen ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können?

Knapp 100 Teilnehmende diskutierten beim Fachdialog „Betreuungsrecht – Zwischen Wunsch und Wille“ am 13. März 2026 an der Technischen Hochschule Mannheim über Möglichkeiten, Menschen zu unterstützen, die ihre Angelegenheiten aufgrund von Krankheit, Unfall oder altersbedingten Einschränkungen nicht mehr selbst regeln können. Die Veranstaltung, die von TransforMA in Kooperation mit der Fakultät für Sozialwesen der TH Mannheim durchgeführt wurde, machte deutlich, wie wichtig es ist, rechtliche, psychologische und pädagogische Unterstützung so zu gestalten, dass die Selbstbestimmung der Betroffenen erhalten bleibt – ein Thema, das grundsätzlich jede*n betreffen kann.

Zu Beginn begrüßten Prof. Dr. Mathias Hafner, Prorektor für Forschung, Technologietransfer und Internationalisierung der TH Mannheim, sowie der Moderator Tillmann Schönig, Leiter der Betreuungsbehörde Rhein-Neckar-Kreis, die Gäste. „Die Fakultät für Sozialwesen der Technischen Hochschule Mannheim bringt mit dem Fachdialog Wissenschaft, Praxis und gesellschaftliches Engagement zusammen“, sagt Hafner. „Gerade beim Betreuungsrecht zeigt sich, wie wichtig der Austausch zwischen Forschung und Praxis ist – schließlich kann das Thema uns alle betreffen.“

Am Vormittag beleuchteten Expert*innen aus verschiedenen Disziplinen zentrale Fragen rund um Willensbildung, Selbstbestimmung und Verantwortung im Betreuungsrecht. Prof. Dr. Ulla Törnig, fachliche Leiterin der Veranstaltung, erläuterte: „§ 1821 BGB, oft als ‚Magna Charta des Betreuungsrechts‘ bezeichnet, stellt sicher, dass Entscheidungen stets am Wunsch der betreuten Personen ausgerichtet werden.“ Weitere Beiträge von Prof. Dr. Alexander Noyon, Prof. Dr. Marion Baldus und Prof. Dr. Joachim Weber beleuchteten aus psychologischer, inklusiv-pädagogischer und philosophischer Perspektive die damit einhergehenden Fragen im Betreuungskontext. „Das Betreuungsrecht verfolgt das klare Ziel, die Selbstbestimmung der betroffenen Personen zu stärken und stellt deshalb nicht objektive, sondern subjektive Kriterien des individuellen Wohles in den Mittelpunkt.“, betont Törnig. „Neben klaren gesetzlichen Vorgaben braucht es vor allem fundiertes Wissen, reflektiertes Können und eine von Respekt gegenüber den Betroffenen getragene Haltung.“

Am Nachmittag vertieften die Teilnehmenden zentrale Praxisfragen in Workshops. Dabei ging es unter anderem um Gesprächsführung mit Menschen mit Demenz, Strategien zur Gewinnung ehrenamtlicher Betreuer*innen sowie Wege in die Selbstständigkeit als Berufsbetreuerin. „Gerade in Gesprächen mit Menschen mit Demenz kommt es darauf an, sensibel zuzuhören und die unterschiedlichen Ausdrucksformen von Bedürfnissen wahrzunehmen“, erklärt Prof. Dr. Martina Schäufele, die einen Workshop leitete. „Nur so kann der Wille der Betroffenen bestmöglich verstanden und respektiert werden.“

Begleitend informierten Betreuungsbehörden und -vereine über Vorsorgemöglichkeiten, die Tätigkeit als ehrenamtliche Betreuer*innen und weitere Unterstützungsangebote. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und ihre Perspektiven zu diskutieren und zu reflektieren.

Der Fachdialog machte deutlich, wie wichtig der Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Betroffenen ist, um die Vorgaben des Betreuungsrechts umzusetzen und die Selbstbestimmung der Menschen nachhaltig zu stärken. Das große Interesse an der Veranstaltung zeigt, dass der Bedarf an Information, Vernetzung sowie wissenschaftsbasierten und praxisnahen Lösungen in diesem Bereich hoch ist.

 

Über TransforMA

TransforMA ist ein gemeinsames Projekt der Technischen Hochschule Mannheim und der Universität Mannheim. Es wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (ehemals BMBF) im Rahmen der Förderinitiative Innovative Hochschule über fünf Jahre mit rund 12 Millionen Euro gefördert. Ziel des Projekts ist es, die Metropolregion Rhein-Neckar bei den großen Transformationsprozessen unserer Zeit zu unterstützen. Mithilfe des Austauschs von Wissen, Ideen und Technologien werden Lösungen für die Herausforderungen von morgen entwickelt. Im Mittelpunkt steht die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um praxisorientierte Antworten auf den demografischen Wandel, die Digitalisierung und den Übergang zu nachhaltiger Produktion zu finden. Gemeinsam mit Partner*innen wie der Stadt Mannheim und der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH fördert TransforMA den Wissenstransfer und schafft zukunftsfähige Strukturen für die Region.  www.transfor-ma.de 

 

Ansprechperson Fachdialog:
Prof. Dr. Ulla Törnig (Fakultät für Sozialwesen)
Isabel Jakob  (TransforMA)


Fachliche Leiterin Prof. Dr. Ulla Törnig erläutert dem Publikum die Relevanz des Betreuungsrechts (Foto: Jorma Vogel)


Gruppenfoto der Referent*innen und Organisator*innen des Fachdialogs „Betreuungsrecht – Zwischen Wunsch und Wille“ nach Veranstaltungsende (Foto: Jorma Vogel)


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